Wasserfarben

Wolfgang Müllners Fotoarbeiten sind Ansichten vom Meer, wie man sie von Urlaubsfotografien kennt. Der Horizont schneidet das Bild genau in der Mitte. Müllner nimmt die dem jeweiligen Bild „eingeschriebene“ Farbinformation und errechnet daraus die farblichen Durchschnittwerte von Meer und Himmel. Mit diesen beiden Werten „überschreibt“ er in monochromen Flächen das ursprüngliche Motiv, das solcherart an die Ränder des Bildes zurückgedrängt wird, dass es nur noch als „Passepartout“ einer neuen Form, der Interpretation desselben Wirklichkeitsausschnittes dient. Systematisiert und schablonisiert verweisen die Bilder auf eine Weltwahrnehmung, die zunehmend durch eine von Industriestandards und –normen durchsetzte „Automatenwahrnehmung“ geprägt wird.

Anregung zu dieser Art der Fotobearbeitung kamen beim Besuch eines Workshops von John Hilliard in Wolkersdorf: Bildteile werden durch Farbflächen überlagert deren Farbwert irgendwo im Bild vorkommt. Müllner hat die Technik des Ausblendens aufgenommen und variiert indem er das Motiv mit exakt dem Durchschnitt der Farbe des genau darunterliegenden Bereiches überschreibt. Das simuliert eine Kamera mit variabler Auflösung: jeder monochrome Bereich stellt ein Farb-Pixel dar, während der S/W Rand eine Auflösung von mehreren tausend Pixeln aufweist.